Johann Martin Honigberger

Johann Martin Honigberger ist der bekannteste unter den Honigbergern. Am häufigsten wird sein Name mit der Homöopathie in Verbindung gebracht. In Indien, dessen Gesundheitssystem weltweit am stärksten auf Homöopathie setzt, wird er als derjenige verehrt, der dieses Heilverfahren in Asien eingeführt hat. Johann Martin Honigberger wirkte aber nicht nur als forschender und heilender Arzt, er war gleichzeitig auch Pharmazeut, Botaniker, Archäologe, Numismatiker, Ethnologe, Militärexperte und Weltreisender, der 12 Sprachen beherrschte.

Geboren wurde J. M. Honigberger am 10.3. 1795 in Kronstadt, wo er den Apothekerberuf  erlernte. Schon bald nach Abschluss der Lehre zog es ihn in die Ferne. Seinem Forscherdrang folgend wollte er den Orient erkunden, dem Ursprung von Künsten und Wissenschaften. Honigberger verließ fünfmal Europa für große Fernreisen und lebte den überwiegenden Teil seines Lebens fern der Heimat. Die meisten Jahre verbrachte er in seiner Wahlheimat Indien. Trotzdem blieb er mit seiner Heimat verbunden, kehrte immer wieder zu Kurzaufenthalten nach Kronstadt zurück.

Während seinen Reisen behandelte er erfolgreich viele Krankheiten und führte neue Heilmethoden ein: im Nil-Delta bekämpfte er die Pest, in Syrien führte er die Kuhpocken-Impfung ein und in Kalkutta behandelte er die Cholera. Der Ruf seiner medizinischen Erfolge eilte ihm voraus und so dass er eine Reihe attraktiver Angebote bekam als praktizierender Mediziner tätig zu sein. So war er Leibarzt des Gouverneurs von Tokat, sowie von Rendschit-Singh, dem König der Sikhs in Lahore. Seine Erfolge währende seines ersten Aufenthaltes in Lahore verhalfen ihm zu vielen Ämtern, so dass er auch noch Leiter der Hofapotheke, Verwalter einer Gewehr- und Pulverfabrik und Inspektor der Marine wurde, im Amt eines Admirals.

Während all seinen Jahren in der Fremde diente er aber nicht nur den Reichen, sondern behandelte auch die Armen, häufig kostenlos . Während seines zweiten Aufenthaltes in Kaschmir errichtete er die ersten drei Krankenhäuser in dieser Region, ein Spital für Arme, eine Nervenheilanstalt sowie ein Gefangenenspital.

Parallel zu seiner medizinischen Tätigkeite unternahm er auch viele Forschungsreisen. So durchwanderte er das Libanon- und Himalaja-Gebirge, wo er botanische Studien vornahm. Er verfasste hierzu auch ein botanisch-medizinisches Wörterbuch in 9 Sprachen. Neben Pflanzen sammelte Honigberger auch die unterschiedlichsten Münzen, Altertümer und Raritäten.

Während einer Europareise 1835-1836 brachte er seine Sammlungen bei Museen und Forschungseinrichtungen unter. In Paris lernte er Doktor Samuel Hahnemann, den Begründer der Homöopathie kennen. In Köthen wurde er von Dr. Lehmann in das neue Heilverfahren eingeführt und wurde darauf Ehrenmitglied des Vereins homöopathischer Ärzte in Leipzig.

Die Ergebnisse seiner Studien verfasste Johann Martin Honigberger in einer Reihe von wissenschaftlichen Abhandlungen und Büchern. Sein Hauptwerk, das Buch “Früchte aus dem Morgenlande”, welches 1851 und 1853 in Wien erschien, besteht aus 2 Teilen. Der erste Teil beinhaltet die Reiseerlebnisse der ersten beiden großen Asienreisen. Im zweiten Teil beschreibt er das von ihm selbst entwickelte Heilverfahren, das “Medial-System”. Dieses System will der Goldene Mittelweg zwischen der Allopathie (der herkömmlichen Medizin) und der Homöopathie sein, eine Praxis die auch heute ihre Anwendung findet.
Dieses Buch erschien 1952 in englischer Sprache  in Kalkutta, London und New York unter dem Titel “Thirty Five Years in the East”, im Anhang dieser Auflage findet sich auch das botanisch-medizinische Wörterbuch in 9 Sprachen wieder. Der erste Teil des Buches erfuhr mehrere Neuauflagen, die letzte 1995 bei Asian Educational Services in New Delhi und Madras.

Durch noch ein Faktum wurde Johann Martin Honigberger bekannt: er war der erste Europäer der die Yoga-Kunst der Inder beschrieb. Verewigt wurde er auch in der Literatur: das Geheimnisvolle um die Person von Johann Martin Honigberger inspirierte Mircea Eliade, einen der bedeutendsten rumänischen Schriftstellern, zu der Novelle: “Secretul Doctorului Honigberger”.

Johann Martin Honigberger verbrachte über 50 Jahre seines Lebens in der Ferne, fand aber dann doch den Weg zurück in die Heimat. Er verstarb am 18.12.1869 in Kronstadt und wurde am innerstädtischen Fiedhof beerdigt.

 

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Stand: 22.04.2011