Entstehungsgeschichte Kronstadts

Kronstadt ist eine Stadt mit vielen Namen: Brasso (ungarisch), Brasov (rumänisch), Corona (lateinisch), Krunen (siebenbürgisch-sächsisch), Stephanopolis (griechisch), Persava (türkisch), Brasiev (russisch/bulgarisch). Die vielen Namen zeigen, dass Kronstadt im Mittelpunkt von vielen Kulturen lag. Auch wenn die Innenstadt fast ausschließlich von Deutschen bewohnt wurde, so fanden sich in den Vororten Bürger vieler Länder. Hierzu zählen nicht nur die Rumänen und Ungarn, welche Siebenbürgen gemeinsam mit den Siebenbürger Sachsen besiedelten, sondern auch Griechen, Türken, Bulgaren und Serben. Daher ist es nicht verwunderlich dass viele Kronstädter mehrsprachig aufwuchsen. Kronstadt wurde schon zu frühesten Zeiten als Verbindung zwischen Mitteleuropa und Orient angelegt und war im Mittelalter die am weitesten in den Südosten vorgeschobene deutsche Stadt. Die Geschicke der Stadt wurden bis in das 20. Jahrhundert von Deutschen gesteuert, allerdings wurde die Stadt auch stark von Rumänen und Ungarn (Szekler) geprägt.

Wo liegt Kronstadt?

Kronstadt ist im Burzenland gelegen, einer Senke im südöstlichsten Zipfel von Siebenbürgen. Drei Seiten des Burzenlandes sind von Bergen umgeben, nur im Osten bildet der Fluss “Alt” die Grenze zu den Szeklergebieten. Auch die nähere Umgebung der Stadt wird sehr stark von Bergen beherrscht Im Osten der Stadt liegt die alles überragende Zinne, im Westen der Raupenberg. Im Norden, dem Zugang zum Burzenland, finden wir noch im Stadtgebiet den Schlossberg und im Süden führt der Weg am Salomon-Felsen vorbei zu dem Hausberg der Kronstädter, dem Schuler. Nicht weit von Kronstadt sind auch die Karpaten, mit einigen Gipfeln in Höhe von 2.500 m. 4 Pässe über die Karpaten waren von Kronstadt anzusteuern: der Oituz-Pass verbindet Siebenbürgen mit der Moldau, und die Pässe Törzburg, Tömösch und Bosau sind Zugänge in die Walachei und dadurch Verbindungswege zum Orient.

Kronstadt wurde vom Deutschen Orden gegründet, der von 1211 bis 1225 das Burzenland als Lehen vom ungarischen König Andreas II. besaß. Kronstadt wurde von Anfang an als Stadt angelegt, mit der Bestimmung Handelsmittelpunkt für den Handel mit dem Orient zu sein. Corona, die Innere Stadt von Kronstadt, besitzt den typischen Grundriss einer mittelalterlichen deutschen Stadt. Auch dessen Verwaltung und soziale Struktur besitzt große Ähnlichkeitmit den binnendeutschen Städten. Zum erstenmal wird Kronstadt 1235 urkundlich erwähnt.

In der Mitte des 13. Jahrhunderts begannen die schweren Verteidigunskämpfe der jungen Stadt gegen die aus Asien eindringenden Eroberer: in den Jahren 1241/1242, 1278, 1285 und 1335 gab es verheerende Einfälle der Tataren, bei denen ein großer Teil der Bevölkerung zu Grunde ging. Nur durch Einwanderung konnten die verwüsteten Ortschaften des Burzenlandes wieder aufgebaut werden. Ein halbes Jahrhundert nach dem letzten Tatareneinfall standen die Türken südlich der Karpaten und begannen ihre Eroberungszüge nach Siebenbürgen. 1395 brachen sie zum erstenmal über den Törzburgpass ins Burzenland ein. 1421 wurde Kronstadt vom osmanischen Sultan Murad II. erobert und zerstört. Auch die seit 1383 in Bau befindliche große gotische Marienkirche stand als Ruine da. 1432 wurde Kronstadt zum zweitenmal von den Türken erobert, doch dann bauten die Kronstädter die Stadtmauern aus, so dass die Stadt 1438 von den Türken nicht mehr eingenommen werden konnte.

In der Zeit nach der Schlacht von Mohács (1526) und des Zusammenbruchs des ungarischen Staates, begann der Aufbau der Kronstädter Selbstverwaltung, der von den ungarischen Königen unterstützt wurde. In dieser Beziehung spielt der große Freibrief König Ludwigs des Großen von 1353 für die Entwicklung von Kronstadt dieselbe Rolle wie der Andreanische Freibrief von 1224 für die Gesamtheit der Siebenbürger Sachsen. 1499 übernahm die Stadt die Törzburg als Pfandbesitz vom König und übernahm dadurch sämtliche Befugnisse des Kastellans und der Szeklergrafen. Dadurch unterstand die Stadt nur noch dem König und hatte dadurch eine Stellung entsprechend jener der freien deutschen Reichsstädte.

Der politische Aufstieg Kronstadts zur autonomen Stadt war wesentlich durch dessen wirtschaftliche Entwicklung bedingt. Um 1500 war Kronstadt mit 10.000 bis 12.000 Einwohnern die größte und bedeutendste Handelsstadt Siebenbürgens, welche durch wichtige Privilegien untermauert wurden. 1358 verlieh König Ludwig der Große den Kronstädter Kaufleuten das Recht des freien Handels entlang der Flüsse Bosau und Prahova bis zur Mündung des Sereth in die Donau. 1368 schloss der walachische Fürst Vlaicu einen eigenen Handelsvertrag mit den Kronstädtern.
Neben dem Handel war in Kronstadt das Handwerk zunächst von geringerer Bedeutung. Dies änderte sich ab Mitte des 15. Jahrhunderts, wo  ein starker Stand an Handwerkern anwuchs. Um 1500 werden in Kronstadt 886 Handwerker in 51 verschiedenen Gewerben erwähnt, welche in hohem Maße für die Ausführ in die rumänische Fürstentümer erzeugten. Ein Zeichen für das erwachte Selbstbewusstsein des Handwerkstandes und für seine Bedeutung im städtischen Leben ist auch die Tatsache, dass immer mehr Handwerkersöhne zum Studium an ausländische Universitäten - vor allem nach Wien und Krakau - zogen, um nach ihrer Rückkehr als Pfarrer, Lehrer und Juristen eine bedeutende Rolle in der Stadt zu spielen.

Kronstadt ist ursprünglich aus vier voneinander getrennten Siedlungen entstanden: Corona (die Innere Stadt), die Altstadt (Martinsberg und Bartholomä), die Obere Vorstadt (Scheii Brasovului) und die Blumenau. Die Innere Stadt und die Altstadt waren reine deutsche Siedlungen. Der Ursprung der Oberen Vorstadt scheint eine romanisierte slawische Siedlung zu sein.

 

Fortsetzung folgt ...

Auszüge aus dem Buch:
Kronstadt - Eine siebenbürgische Stadtgeschichte
Herausgegeben von Harald Roth
Universitas Verlag

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Stand: 22.04.2011