Emil Honigberger

Emil Honigberger kam am 16. März 1881 als viertes von sechs Kindern der Anna und des Michael Honigberger in Kronstadt zur Welt. 1900 erwarb er das Abitur. Früh hatten sich musikalische als auch bildnerische Begabung geäußert. Er studierte 1903 bis 1907 Musik am Sternschen Konservatorium in Berlin. Schwerpunkte waren Klavier, Dirigieren und Komposition bei Gustav Pohl, Paul Lutzenko, Hans Pfitzner, Max Löwengard, Wilhelm Klatte, Leopold Schmidt. Er nahm auch Gesangsunterricht bei Robert Lösch und erweiterte seine Fertigkeiten im Spiel auf Streichinstrumenten. So ergab sich schon vom Studium her keine engere Fachspezialisierung, sondern eine breite Palette musikalischer Beschäftigungen. Honigberger selbst kommt im Rückblick darauf zu sprechen: „Hans Pfitzner, mein großer Lehrer in Berlin, brachte mich von der Gefahr Klaviervirtuose zu werden ab, und noch heute danke ich es ihm, dass ich ein allgemein gebildeter Musiker geworden bin, der die ganze, vielseitige Musik erfassen und lieben lernen konnte." (Selbstzeugnisse, in: Aus Kronstädter Gärten, Kronstadt 1930, S. 201/202.).  
Nach Kronstadt zurückgekehrt, übernahm Honigberger 1907 die Stelle des Zweiten Chormeisters beim Kronstädter Männergesangsverein, 1910 wechselte er zum Kronstädter magyarischen Gesangsverein Dalárda. Er machte auf sich aufmerksam, indem er mit beiden Klangkörpern größere Chorwerke aufführte. Nachdem Paul Richter, der bisherige Erste Chormeister des Kronstädter Männergesangsvereins, 1918 das Kronstädter städtische Kapellmeisteramt angetreten hatte, übertrug der Verein 1919 Honigberger die Nachfolge. 1921 berief ihn das Mühlbacher Presbyterium zum Kantor und Organisten der Stadtpfarrkirche, gleichzeitig wählte ihn der Mühlbacher Musikverein als Musikdirektor und Kapellmeister. 1925 ging er als Organist und Gymnasialmusiklehrer nach Mediasch, 1930 als schulischer „Musikdirektor" und Lehrer an das Landeskirchenseminar nach Hermannstadt. Wieder in Kronstadt, bekleidete er von 1939 an verschiedene Ämter als Chorleiter, Organist, Schulmusiker und Musikpädagoge.
Im Rahmen der von ihm und seinem Bruder Ernst gegründeten Neuen Zielgesellschaft veranstaltete er Kammermusikkonzerte. In diesem Ressort wie auch in seiner Eigenschaft als Chorleiter setzte er sich entschieden für die zeitgenössische Musik ein. Darin stimmte er mit seiner Schwester Helene überein: Charakteristisch dürfte ein „Moderner Liederabend" sein, den er schon 1913 zusammen mit Helene gab - er begleitete am Flügel - mit Liedkompositionen von Johannes Brahms, Hugo Wolf, Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Josef Marx, Richard Strauss, Conrad Ramrath, Siegmund von Hausegger und einem Lied von Emil Honigberger selbst. In Mediasch hielt er eine Reihe musikgeschichtlicher Vorträge, kombiniert mit Gesprächskonzerten. Hier spielte er auch den Cellopart im Mediascher Streichquartett.   Honigbergers   Kronstädter "Tondichter-Abende", ebenfalls eine Art Gesprächskonzerte, fanden guten Anklang. Sie galten nicht nur den Meistern der musikalischen Universalliteratur, sondern oft auch zeitgenössischen siebenbürgischen Komponisten wie Rudolf Lassel, Paul Richter, Gheorghe Dima, Max Krause, Friedrich Reimesch, Stefan Temesváry, Friedrich Schiel oder Eduard Orendi. Gemeinsam mit Helene Greger-Honigberger unterhielt er in Kronstadt die „Musikschule Honigberger": Die Schwester unterrichtete Violine und Gesang, Emil Klavier, Theorie und Musikgeschichte.
Neben allen diesen Aktivitäten war Honigberger sehr rege auch journalistisch tätig: Er war ständiger Mitarbeiter beim Siebenbürgisch-Deutschen Tageblatt, der Deutschen Tageszeitung, der Mediascher Zeitung und der in Kronstadt erscheinenden Zeitschrift Die Karpathen. Während seiner Mühlbacher Zeit stand er als Schriftleiter dem Blatt Unterwald vor. Er selbst gab in Kronstadt zusammen mit Ernst Honigberger die Zeitschrift Das Ziel und Das neue Ziel heraus.
Eine anfängliche Periode des kompositorischen Schaffens, aus der eine Oper (Die Flandrer am Alt nach Michael Albert), Orchesterwerke, Kammermusik, Klavierstücke, Chöre und Lieder hervorgingen, brach er in kritischer Selbstbetrachtung ab und schrieb nur noch wenige Gelegenheitskompositionen. Er wollte „nicht als Komponist gelten". „Wie viel schöner und erhebender ist es", schreibt Honigberger, „sich in die wunderschöne Welt unserer großen deutschen Tondichter hineinarbeiten zu dürfen! Das Leben ist so kurz, sowieso kann man nur einen kleinen Teil des niedergeschriebenen Reichtums erfassen und erleben". Er stellte mit Befriedigung fest, dass er sich „seinen inneren Frieden dem oft verderblichen Ehrgeiz abgerungen" habe. Als Lehrer „Freude und Begeisterung zu verbreiten", „von seinen vielen Schülern als Freund und Erzieher geliebt" zu werden, sei ihm wichtiger als „eine Komponistengloriole", die in seinem Fall „mindestens zweifelhaft" wäre.
Emil Honigberger war gleichermaßen malerisch begabt und widmete sich seit frühester Jugend auch dem Kunstzweig des Zeichnens und Malens, allerdings ausschließlich autodidaktisch. Im Selbstunterricht eignete er sich vor allem die Aquarellmalerei an und stellte später regelmäßig aus. Bevorzugte Motive sind siebenbürgische Landschaften, Kirchenburgen und sakrale Baudenkmäler.
Honigberger starb am 13. Februar 1953 in Kronstadt. Sein 50. Todesjahr ist Anlass, dieser künstlerischen, in mancherlei Hinsicht typisch siebenbürgischen Persönlichkeit zu gedenken und uns Emil Honigberger auf diesem Wege als Chordirigenten, Schulmusiker, Kirchenmusiker, Pianisten, Organisten, Kammermusiker, Musikpädagogen, Musikjournalisten, Kritiker, Herausgeber und Organisator kurz zu vergegenwärtigen. Kränze flicht die Nachwelt dem Mimen ja bekanntlich nicht. 

Karl Teutsch

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Stand: 22.04.2011